32 Counts, drei Kaffee's und ein kleiner Nervenzusammenbruch

Es passiert meistens völlig ungeplant.
Man sitzt im Auto. Räumt die Küche auf. Oder hört einfach nebenbei Radio.
Und dann kommt dieser eine Song. 🎶
Noch bevor der Refrain überhaupt vorbei ist, passiert im Kopf einer Line Dancerin etwas Merkwürdiges:
„Darauf MUSS man doch tanzen können!“ 💃
Tja.
Und damit nimmt das Unheil seinen Lauf.
🎵 Phase 1: Bitte sag mir, dass es noch keinen Tanz gibt …
Bevor ich auch nur einen einzigen Schritt erfinde, beginnt natürlich die Suche.
YouTube auf.
Songtitel eingeben.
Line Dance- Dance -Choreography - vielleicht noch den Interpreten dazu.
Noch einmal anders suchen.
Noch ein Video anklicken Und noch eins...
Gefühlt 100 Jahre später steht fest:
🤷♀️ Nichts. Nada. Kein Line Dance weit und breit.
Und jetzt?
Eigentlich könnte man vernünftig sein und sagen:
„Na gut. Dann eben nicht.“
😂😂😂
Als ob.
❤️ Phase 2: Ist es wirklich Liebe auf den ersten Takt?
Jetzt wird der Song noch einmal ganz in Ruhe gehört.
Denn ein Lied beim ersten Hören toll zu finden, ist eine Sache.
Es gefühlt 147-mal anzuhören, während man eine Choreografie dazu baut, eine völlig andere.🤔
Also:
Hat der Song immer noch dieses gewisse Etwas?
Hört mein Fuß immer noch Bewegungen, obwohl mein Kopf noch gar keine Schritte kennt?
Ja?
Mist.
Dann müssen wir da jetzt durch.😚
🔢 Phase 3: Eins, zwei, drei, vier …
Jetzt wird gezählt.
32 Counts oder besser 64 counts?
Wo beginnt der Refrain?
Wo verändert sich die Musik?
Braucht es einen Restart?
Einen Tag?
Oder vielleicht sogar mehrere?
Und gibt es irgendwo diese eine kleine musikalische Gemeinheit, die einem erst auffällt, nachdem man eigentlich schon dachte:
„Ha! Fertig!“
Spoiler: Gibt es erstaunlich oft.
Denn am Ende soll nicht die Musik irgendwie zur Choreografie passen.
Die Choreografie soll sich anfühlen, als hätte sie schon immer genau zu diesem Song gehört.
👢 Phase 4: Willkommen beim Schritte-Puzzle
Und jetzt beginnt der Teil, der gleichzeitig richtig Spaß macht und einen wahnsinnig machen kann.
Shuffle?
Step.
Pivot.
Kick.
Coaster Step.
Clap.
Vielleicht ein Stomp? 🤔
Nein.
Wieder raus.
Noch einmal von vorne.
Shuffle … Step … Turn …
Nee.
Irgendwas hakt.
Also Musik zurück.
Andere Kombination.
Noch einmal tanzen.
Und irgendwann passiert plötzlich etwas Wunderbares:
Es läuft.
Die Schritte greifen ineinander. Die Akzente sitzen auf der Musik. Man muss nicht mehr überlegen, was als Nächstes kommt.
Der Tanz wird rund. ☯️
Oder wie ich es viel lieber sage:
Er geht vom Fuß. 👣
Und genau DAS ist der Moment, auf den ich gewartet habe.
☕ Phase 5: Fertig! – Hahaha. Nein.
Denn wer jetzt glaubt, die Arbeit wäre erledigt, kennt Choreografen schlecht. 😯
Jetzt kommt das Stepsheet.
Counts kontrollieren.
Schrittbezeichnungen.
Richtungen.
Walls.
Tags und Restarts an die richtige Stelle.
Noch einmal selbst danach tanzen und feststellen:
„Ach. Wenn ich das so lese, weiß ja kein Mensch, was ich meine.“ 🤔
Also korrigieren.
Noch einmal.
Bis das Stepsheet auch für jemanden verständlich ist, der bei seiner Entstehung nicht in meinem Kopf gesessen hat.
💻 Und dann darf der Tanz hinaus auf die Tanzfläche
Wenn alles stimmt, wird veröffentlicht und archiviert.
Der Tanz kommt beispielsweise zu CopperKnob und Get In Line, natürlich auch in unser eigenes Tanzarchiv. Das Stepsheet wird eingepflegt, die passende Musik landet in unserer Dropbox.
Und weil wir ja noch nicht genug gemacht haben:
Erklärvideo! 🎥
Spätestens danach sind wir ungefähr bei:
☕ Kaffee Nummer zehn
⚠️ Gehirnleistung: 2 %
👣 Füße: „Frag uns morgen noch mal.“
❤️ Glückslevel: ziemlich hoch
Der kleine Nervenzusammenbruch kann kommen.
Aber bitte erst nach dem Hochladen. 😂
🫠 Und dann kommt eigentlich der spannendste Moment …
Warten.
Denn irgendwann zeigt man den Tanz anderen Menschen.
Und plötzlich fühlt sich die Choreografie, die man hundertmal allein getanzt hat, wieder ganz neu an.
Gefällt sie ihnen?
Funktioniert sie auch für andere so gut, wie sie sich für mich angefühlt hat?
Bleibt jemand dabei hängen?
Wird sie vielleicht sogar weitergegeben?
Und dann gibt es diese ganz besonderen Momente.
Wenn man irgendwo steht – z.B. auf einer Veranstaltung wie der Western Experience – und plötzlich sieht man Menschen den eigenen Tanz tanzen. ❤️
Menschen, die man gar nicht kennt.
Zur Musik, bei der irgendwann einmal dieser eine Gedanke angefangen hat:
„Darauf müsste man doch tanzen können …“
Und dann stehst du da.
Grinst vermutlich ein bisschen bescheuert. 🥹
Und denkst:
Okay. Dafür waren die 32 Counts, drei Kaffee's und der kleine Nervenzusammenbruch es wert. ❤️
Bis im Radio der nächste Song läuft …
und der Fuß schon wieder anfängt zu wippen. 👢
Oh nein. 😂
Come along on the journeys …
Eure Margit ❤️






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